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Newsletter Nr. 0601:

Personalverwicklung ade (Kurzfassung)
Text: Frank H. Sauer und Dorthe Hoffmann von DA VINCI 3000 – The Academy for Business & Life

Viel wurde geschrieben über den idealen Weg Mitarbeiter zu motivieren, sein Personal zu führen und ein idealer Chef zu sein. Soft skills eben, wie der Fachmann sagt. Sicher liegt das daran, dass es der Traum einer jeden Führungskraft ist, wenn die Seinen wie ein Uhrwerk funktionieren. Die Berater sowie die sich als Coach[1] umfunktionierten Ex-Theoretiker haben erkannt, dass man dort am meisten Geld verdienen kann, wo es dem Patienten am ärgsten weh tut. Darum wird weiter geschrieben, abgeschrieben, verschlimmbessert und geratschlagt.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert? Nicht viel! Woran liegt das? Nun, es liegt an der gleich gebliebenen Geisteshaltung und dem Wertesystem innerhalb von Unternehmenskulturen[2]. Eine stark vermutete Erkenntnis wäre in diesem Zusammenhang, dass sich der Mensch nicht und niemals verändert. Nicht weil er nicht will, sondern weil er eben nun mal so ist, wie er ist.

Die meisten (tatsächlich nicht alle) Publikationen zu diesem Thema sind an eben diesem vorbei. Also Schrott - leider. Nicht nur das Ergebnis gibt uns Recht, sondern auch die extremen Mühen, die alle Beteiligten in diesem Veränderungsprozess haben. Der angeborenen Intuition eines denkenden Menschen ist bekannt, dass dort, wo viele Mühen benötigt werden, irgendetwas anderes, als das gerade anvisierte, nicht stimmig ist. Da wir aber keine andere Lösung haben, mühen wir uns weiter. Solange bis wir sagen können, wir haben ja doch Recht gehabt.

Die Kultur zu sein, zu führen, zu managen und zu arbeiten ist mit vielen Werten besetzt, die wir im Laufe unseres Lebens gelernt und geerntet haben. Dabei haben wir viel Brauchbares etabliert aber auch viel scheinbar Gutes im Sog mit aufgenommen.

Wo ist denn nun die ultimative Lösung, nach der alle suchen? Die unbequeme Antwort lautet: Die gibt es nicht. Es wird also komplex. Keine Angst, denn komplex heißt nicht kompliziert.

Eine Lösung – und das kennen wir noch aus dem Chemieunterricht – ist etwas, das aus mindestens zwei Substanzen besteht, die sich molekular miteinander vermischt haben. Somit ist etwas Neues entstanden, das andere Eigenschaften besitzt. Wir brauchen im Zusammenhang mit menschlichen Individuen[3] keine Lösung, sondern eine Entwicklung, die völlig anderer Denk- und Herangehensweisen bedarf.

Die meisten Personal-Management-Spezialisten sprechen richtiger Weise von Personalentwicklung. Eine Entwicklung hat mit Wachstum zu tun, wobei die Potentiale im inneren Kern liegen, der sich dann zu etwas Großem entwickeln kann. Ein Wunderbares Wort, das man auch als Freilegen des Eigentlichen oder Herausholen des Wesentlichen definieren kann.

Nach einigen Überlegungen, jahrelangen Beobachtungen und Befragungen kamen wir zu dem Schluss, dass der Mitarbeiter oder Dienstleister als Output nichts anderes möchte als Anerkennung, der Chef oder Verantwortliche Kontrolle und der Investor oder Gesellschafter Geld. Alles im positiven Sinne – versteht sich.

Lasst uns also den Spieß umdrehen und versuchen wir es mal mit nachstehender Methode. Sie ist im Grunde einfach anzuwenden, da die dazu benötigten Fähigkeiten in unserem Kern verankert sind:

1.  Zug um Zug abschaffen, was Motivation[4] verhindert; de-motivierendes beseitigen - konsequent.

2.  Anerkennen; wahrnehmen und kommunizieren. Sachlich korrekt und klar formuliert.

3.  Den Mitarbeiter regelmäßig über sich selbst nachdenken lassen und Feedback über seine Wirkungsweise geben.

 4. Gute Strukturen schaffen. Jeder hat den für ihn am besten geeigneten Posten, kennt das Postenziel und weiß, was die anderen tun sowie erhält Anerkennung für persönlichen Fortschritt und besondere Fähigkeiten.

5.  Chefs machen nie die Arbeit eines Mitarbeiters.

6.  Chefs coachen Mitarbeiter und lassen sich selbst coachen.

7.  Das Unternehmen oder die Abteilung hat klare Ziele[5].

8.  Wir nehmen das Meiste gelassen und sind konsequent in der Abarbeitung unserer Planung[6].

9.  Was uns noch so einfällt, weil es unserem Wertesystem[7] entspricht.

Hört sich kompliziert an? Nein, das ist es nicht. Es ist lediglich komplex. Komplexe Dinge werden einfacher, wenn man Sie von Oben betrachtet. Dafür bedient man sich der Methode Coaching[8]. Entweder man besorgt sich einen guten Coach oder man lässt sich selbst zum Coach ausbilden.

Noch ein paar Worte zu Mitarbeitern. Mitarbeiter sind Menschen. Menschen sind einfach, wenn man sie versteht, man versteht sie, wenn man zuhört, zuhören ist einfach, wenn man sich interessiert. Der Schlüssel ist also Interesse – ehrliches wahres Interesse. Das ist wiederum einfach, wenn man ausgeglichen ist, was man ist, wenn sich jemand für mich interessiert. Dort setzt Coaching quasi flächendeckend an.

Mitarbeiter sind, wie der Chef selbst, jeweils ein ICH. Mit allen Vor- und Nachteilen. Wenn der Chef ein TEAM bauen kann, dann ist er ein Held. Ein Held, von denen wir in der heute scheinbar aufgeklärten Welt viele brauchen.


 

[1] Coach: in dem ungarischen Dorf Kocs wurden im 15. Jahrhundert besonders schöne Pferdefuhrwerke hergestellt. Die Ungarn nannten sie "Wagen aus Kocs", was mit der Zeit im ungarischen zu kosci verkürzt wurde. Die Deutschen entlehnten das Wort und machten Kutsche daraus, die Engländer adaptierten es im letzten Jahrhundert als Coach. Ein Coach ist heute also, eine Person, die jemanden sicher und schnell zum gewünschten Ziel hinführt.

[2] Unternehmenskultur: ein Unternehmen hat immer eine Kultur - egal, ob Sie gut oder schlecht ist. Es gibt eine innere und eine äußere Kultur, die sich gegenseitig beeinflussen und ein Gesamtbild ergeben. Eine Kultur besticht durch „Andersartigkeit“. Unternehmenskultur ist die Summe der Werte, die gelebt und mit prägenden Storys im und über das Unternehmen sowie seiner darin wirkenden Menschen untermalt werden. Eine besondere Kraft erhält sie, wenn eigene Ziele erreicht und gesellschaftspolitisch wertvolle Beiträge geleistet werden.

[3] Individuum: [lat.; "das Unteilbare"] der Mensch als Einzelwesen [in seiner jeweiligen Besonderheit].

[4] Motivation: Summe der Beweggründe, die jemandes Entscheidung, Handlung beeinflussen. Extrinsische Motivation: von Außen beeinflusst, bedrückt. Intrinsische Motivation: von Innen heraus, natürlich.

[5] Ziel: im Englischen nennt man ein Ziel auch "Target". Wenn es jedoch darum geht in menschlichen Lebensbereichen, insbesondere im beruflichen Lebensbereich, ein Ziel zu erreichen, spricht man von einem „Goal“. Eigentlich ist ein Goal direkt übersetzt ein „Treffer“. „Goal“ sagt mehr über den notwendigen Siegeswillen und die dazugehörige Bereitschaft, alles zu geben, aus. Ein Goal ist ein „erreichtes“ Ziel, während ein Target lediglich ein „anvisiertes“ Ziel ist. Der Unterschied ist der Zeitpunkt.

[6] Planung: das auf ein Ziel ausgerichtete intelligente Erstellen eines schriftlichen Planes - nach den Regeln der Kunst. Ein Projektplan ist eine chronologische und gruppierte Abfolge von Aktivitäten, dessen einzelne Produkte in ihrer Summe ein gewünschtes Ergebnis (Ziel/Produkt) erzeugen. Er sollte stets in schriftlicher Form verfasst werden. Einen Projektplan könnte man auch nennen: „Was-tut-Wer-Wann-Wo-Wie-Maschine“

[7] Wertesystem: Werte, sind Merkmale – z.B. von Dingen, die einem teuer sind, das heißt einen hohen Austauschwert haben, die man somit als Meßlatte für Qualität (Güte) und Quantität (Menge) für persönliche Aktivitäten anlegen kann. Ein Wertesystem ist die Summe aller bekannten und vernetzten Werte.

[8] Coaching: individuelle problem- bzw. konfliktorientierte Beratung und das Training von Führungskräften oder Verantwortlichen auf ein Ziel hin.

(C) 2006 DA VINCI 3000 - Frank H. Sauer

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